Richtig rehydrieren: Warum viel trinken nicht automatisch viel bringt

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Richtig rehydrieren: Warum viel trinken nicht automatisch viel bringt

Leitungswasser, Mineralwasser, isotonisch oder Wasser mit Salz? Was nach Sport, Wettkampf, Indoor-Training und Sauna wirklich hilft – und warum du einen Teil der Trinkmenge manchmal schnell wieder ausscheidest.

Ernährung & RegenerationWissenschaft + PraxisStand: Oktober 2026
01

Aufnahme

Wie die Flüssigkeit aus dem Verdauungstrakt in den Körper gelangt.

02

Retention

Warum Natrium beeinflussen kann, wie viel Wasser dein Körper zurückhält.

03

Regeneration

Wann Wasser und Essen reichen und wann gezieltes Rehydrieren sinnvoll ist.

Vier Stunden Radausfahrt, die letzte Trinkflasche längst leer. Oder 90 Minuten Indoor-Training: Der Boden rund um die Rolle ist nass, das Trikot komplett durchgeschwitzt. Du hast Durst, trinkst zu Hause einen großen Liter Wasser – und kurz darauf musst du schon wieder auf die Toilette.

Wie viel von dem Wasser ist eigentlich dort angekommen, wo dein Körper es braucht? Genau hier wird es interessant. Denn etwas zu trinken, Wasser im Darm aufzunehmen und dieses Wasser über mehrere Stunden im Körper zu behalten, sind drei unterschiedliche Vorgänge.

Und die Wissenschaft zeigt: Nicht nur die Trinkmenge ist wichtig. Auch Natrium, Kohlenhydrate, die Getränkezusammensetzung, Mahlzeiten und die Zeit bis zur nächsten Belastung spielen eine Rolle.

Die kurze Antwort

Nach viel Schweißverlust zählt mehr als Wasser allein

Wenn du viel Wasser und Natrium über den Schweiß verloren hast, kann eine natriumhaltige Rehydrierung die Flüssigkeitsretention gegenüber reinem Wasser verbessern – besonders, wenn du schnell wieder erholt sein musst.

Aber: Leitungs- oder Mineralwasser zusammen mit einer normalen, salzhaltigen Mahlzeit reicht in vielen Alltagssituationen völlig aus. „Isotonisch“ bedeutet nicht automatisch „am besten“, und möglichst wenig Urin ist nicht das eigentliche Ziel.

01 / Physiologie

Was passiert mit dem Wasser, nachdem du es getrunken hast?

Das Wasser verschwindet nicht einfach in den Muskeln, sobald die Flasche leer ist. Erst gelangt es durch Magen und Darm, danach verteilt es sich über Blutkreislauf und Körpergewebe. Gleichzeitig regulieren deine Nieren die Ausscheidung.

1

Magen

Wie schnell verlässt die Flüssigkeit den Magen? Hohe Kohlenhydratkonzentrationen können die Magenentleerung verlangsamen.

2

Dünndarm

Hier werden Wasser und gelöste Stoffe aufgenommen. Glukose und Natrium können über gekoppelte Transportwege zusammenwirken.

3

Blut und Gewebe

Wasser verteilt sich gemäß den osmotischen Verhältnissen zwischen den Körperräumen.

4

Nieren und Hormone

Unter anderem Vasopressin (ADH) beeinflusst, wie viel Wasser zurückgehalten oder ausgeschieden wird.

Der entscheidende Unterschied: Schnelle Aufnahme ist nicht gleichbedeutend mit guter Flüssigkeitsretention. Du kannst ein Getränk rasch aufnehmen und später relativ viel davon ausscheiden. Und ein Getränk kann rechnerisch „im Körper bleiben“, obwohl ein Teil noch im Magen liegt.

Trinkst du nach starkem Schwitzen große Mengen sehr natriumarmen Wassers, können Osmolalität, Durst und hormonelle Wasserrückhaltung so reagieren, dass die Nieren mehr freies Wasser ausscheiden. Das Wasser war deshalb nicht nutzlos – ein Teil des Defizits kann dennoch bestehen bleiben. [5]

02 / Originalstudie 2023

Der direkte Vergleich: Wie viel der Trinkmenge bleibt im Körper?

Ly, Hamstra-Wright und Horswill untersuchten 26 Athleten nach sportbedingtem Flüssigkeitsverlust von durchschnittlich etwa 2,6 % der Körpermasse. Anschließend tranken sie eine Menge entsprechend 100 % des zuvor gemessenen Körpermasseverlusts.

Verglichen wurden Wasser, ein Sportgetränk mit 18 mmol Natrium/L und 6 % Kohlenhydraten und eine Rehydrierungslösung mit 45 mmol Natrium/L und 2,5 % Kohlenhydraten.

Wie viel der Trinkmenge blieb nach 3,5 Stunden?
Gemessene Flüssigkeitsretention · Studie mit 26 Athleten
Wasser
58,1 %
Sportgetränk
73,9 %
Rehydrierungslösung
76,9 %
Ly et al. (2023), Mittelwerte. In der Originalstudie: Wasser 58,1 ± 12,6 %, Sportgetränk 73,9 ± 10,9 %, Rehydrierungslösung 76,9 ± 8,0 %. Beide kombinierten Getränke schnitten gegenüber Wasser statistisch signifikant besser ab; untereinander unterschieden sie sich nach 3,5 Stunden nicht signifikant. Originalstudie ↗

Was heißt das für dich? Nach größeren Schweißverlusten kann die Zusammensetzung des Getränks etwas verändern. Aber die Studie kann nicht isoliert beweisen, ob Natrium oder Kohlenhydrate den größeren Anteil am Effekt hatten – beides unterschied sich zwischen den Getränken. Zudem gab es keine zusätzliche Mahlzeit. Die Prozentwerte sind keine universellen Retentionsquoten für den Alltag. [3]

03 / Der Natrium-Effekt

Warum Salz nach Schweißverlust einen Unterschied machen kann

Schweiß enthält Wasser, aber auch Natrium und Chlorid. Natrium ist ein wichtiger Bestandteil der Osmolalität außerhalb deiner Körperzellen und beeinflusst unter anderem die Wiederherstellung des Plasmavolumens.

Ein kleines, aber anschauliches Experiment von Maughan und Leiper (1995) liefert hierzu einen klaren Vergleich: Sechs Männer verloren bei einer Radbelastung in Wärme Flüssigkeit und erhielten danach Getränke in einer Menge von 150 % ihres Körpermasseverlusts. Die Natriumkonzentrationen unterschieden sich deutlich.

Gleich viel trinken – andere Flüssigkeitsbilanz
Netto-Flüssigkeitsbilanz nach der Rehydrierungsphase und Nachbeobachtung
2 mmol Natrium/L
−689 mlmittleres Restdefizit
26 mmol Natrium/L
−359 mlmittleres Restdefizit
52 mmol Natrium/L
−2 mlnahezu ausgeglichene Bilanz
100 mmol Natrium/L
+98 mlnahezu ausgeglichene Bilanz
Maughan & Leiper (1995), sechs Männer; Mittelwerte nach dem untersuchten Protokoll. Die Getränkemenge war zwischen den Bedingungen gleich. Sehr hohe Natriumkonzentrationen sind keine pauschale Dosierungsempfehlung. Originalstudie ↗

Die zentrale Beobachtung: Die Wasserbilanz verbesserte sich bei den höher konzentrierten Natriumgetränken. Aber daraus folgt ausdrücklich nicht, dass möglichst viel Salz die beste Strategie ist. Bei sehr hohen Natriummengen können sich auch andere Aspekte der Elektrolytbilanz verändern. [7]

Natrium ist nicht dasselbe wie Kochsalz

AngabeUngefähre Entsprechung
1 g Natrium2,54 g Kochsalz (NaCl)
1 g Kochsalz393 mg Natrium
500 mg Natrium1,27 g Kochsalz
1.000 mg Natrium2,54 g Kochsalz

Auf Produktetiketten muss man deshalb genau hinschauen: „1.000 mg Natrium“ und „1.000 mg Salz“ sind zwei sehr unterschiedliche Angaben.

04 / Getränkevergleich

Leitungswasser, Mineralwasser oder Elektrolytgetränk?

Mineralwasser ist nicht automatisch besser zur Rehydrierung als Leitungswasser. Ein Mineralwasser kann viel Calcium und Magnesium enthalten, aber wenig Natrium. Ein anderes liefert erheblich mehr Natrium. Auch Leitungswasser unterscheidet sich regional.

Bei natürlichem Mineralwasser gilt in Deutschland: Die Bezeichnung „natriumhaltig“ ist an mehr als 200 mg Natrium pro Liter geknüpft; „geeignet für natriumarme Ernährung“ setzt weniger als 20 mg/L voraus. Für den Natriumersatz zählt also der Wert auf dem Etikett und nicht das Wort „Mineralwasser“.

GetränkNatriumersatzPraktische Einschätzung
LeitungswasserAbhängig von der ZusammensetzungSehr gute Grundlage; zusammen mit einer normalen Mahlzeit oft völlig ausreichend.
Natriumarmes MineralwasserGeringGut für die Flüssigkeitszufuhr, aber kein besonderer Natriumersatz.
Natriumreicheres MineralwasserJe nach EtikettKann einen Teil des Schweißnatriums ersetzen.
Wasser mit ElektrolytenDosierbarInteressant nach größeren Schweißverlusten.
Sportgetränk mit KohlenhydratenProduktabhängigLiefert je nach Rezeptur auch Energie für die Regeneration.
RehydrierungslösungMeist gezielter ausgelegtFür größere Defizite und begrenzte Erholungszeit eine Option.

Das ist bewusst keine allgemeine Siegerliste. Die Getränkeverträglichkeit, dein Essen und die Frage, ob du überhaupt größere Mengen Natrium verloren hast, beeinflussen, was für dich sinnvoll ist.

05 / Isotonisch ist kein Qualitätssiegel

Hypotonisch, isotonisch, hypertonisch: Was steckt dahinter?

Mit diesen Begriffen wird die Konzentration osmotisch wirksamer Teilchen beschrieben. Dazu gehören unter anderem gelöste Salze und Zucker. In Studien wird dafür häufig die Osmolalität in Milliosmol pro Kilogramm verwendet.

Hypotonisch

Weniger gelöste Teilchen als im Referenzbereich.

< 275mOsm/kg in der genannten Meta-Analyse

Isotonisch

Ungefähr ähnliche Teilchenkonzentration.

275–300mOsm/kg in der genannten Meta-Analyse

Hypertonisch

Mehr gelöste Teilchen als im Referenzbereich.

> 300mOsm/kg in der genannten Meta-Analyse

Die Grenzwerte stammen aus der Einteilung in der zitierten sportwissenschaftlichen Meta-Analyse und sind keine allgemeine gesetzliche Getränkedefinition.

Überraschung: Hypotonisch kann während der Belastung vorteilhaft sein

Eine Meta-Analyse von 2022 mit 28 Studien untersuchte den Einfluss hypo-, iso- und hypertonischer Getränke während körperlicher Belastung. Hypotonische Kohlenhydrat-Elektrolytgetränke zeigten Vorteile hinsichtlich der Aufrechterhaltung des Plasmavolumens. [4]

Das lässt sich aber nicht 1:1 auf die Stunden nach einer Belastung übertragen. Dann sinkt die Schweißproduktion, die Kreislaufregulation verändert sich und die Nieren reagieren anders. Ein gutes Getränk fürs Rennen muss deshalb nicht automatisch das optimale Getränk zur schnellen Regeneration sein.

Viel Zucker kann eine bessere Retention vortäuschen

Clayton und Kollegen verglichen Getränke mit 2 % beziehungsweise 10 % Glukose. Beim stärker konzentrierten Getränk war später rechnerisch mehr Flüssigkeit zurückgehalten worden – zwei Stunden nach Trinkbeginn befanden sich jedoch noch 42,1 % dieses Getränks im Magen, beim 2-%-Getränk praktisch nichts mehr. [10]

Merke: „Wenig ausgeschieden“ heißt nicht zwingend „schnell aufgenommen und richtig verteilt“. Eine verlangsamte Magenentleerung kann die Bilanz kurzfristig verzerren.
06 / Kohlenhydrate

Brauche ich Zucker, damit Wasser besser aufgenommen wird?

Glukose und Natrium können im Dünndarm über SGLT1 gemeinsam aufgenommen werden. Der Transport unterstützt auch die Wasseraufnahme. Kohlenhydrate können zudem nach langen oder intensiven Einheiten helfen, Glykogenreserven wieder aufzufüllen.

Trotzdem braucht ein gesunder Darm nicht zwingend Zucker im Getränk, um Wasser aufzunehmen. Und mit steigender Kohlenhydratkonzentration können Magenentleerung und Verträglichkeit zum begrenzenden Faktor werden.

Eine systematische Übersichtsarbeit von 2025 wertete 19 Studien mit Kohlenhydrat-Elektrolyt-Lösungen gegenüber Wasser aus. Sie fand Hinweise auf Vorteile für die Rehydrierung, insbesondere wenn keine feste Nahrung verfügbar ist. Die Evidenz ist jedoch begrenzt und die Studien unterscheiden sich methodisch. [1]

SituationKohlenhydrate im Getränk?
Kurze, lockere EinheitMeist nicht nötig; normale Ernährung reicht häufig.
Lange oder intensive AusfahrtKönnen den Energie- und Glykogenersatz unterstützen.
Wettkampf mit kurzer ErholungszeitPraktisch, wenn Essen gerade schwerfällt oder Zeit fehlt.
Sauna ohne große MuskelarbeitAllein für den Flüssigkeitsersatz normalerweise nicht erforderlich.
Direkt anschließend vollständige MahlzeitKohlenhydrate können über das Essen kommen.
07 / Die unterschätzte Lösung

Wasser plus normales Essen kann richtig gut funktionieren

Du brauchst nicht nach jeder Einheit ein spezielles Rehydrierungsprodukt. Bereits eine Untersuchung von 1996 zeigte, dass eine Mahlzeit zusammen mit Wasser die Flüssigkeitsbilanz nach sportbedingtem Schweißverlust gegenüber einer untersuchten Sportgetränke-Bedingung günstig beeinflussen kann. Elektrolyte aus dem Essen waren dabei ein wichtiger Faktor. [9]

Alltag

Wasser + salzhaltige Mahlzeit

Nach der Ausfahrt Wasser oder Mineralwasser trinken, danach eine passende Mahlzeit: zum Beispiel Kartoffeln, Reis oder Pasta, eine Proteinquelle und normal gewürzte Beilagen.

Kurze Regenerationszeit

Gezieltes Getränk

Wenn du sehr viel geschwitzt hast, kaum Appetit hast oder bald wieder trainieren willst, kann ein natrium- und gegebenenfalls kohlenhydrathaltiges Getränk praktischer sein.

Der große Vorteil von Wasser plus Essen: Du verbindest Flüssigkeit, Elektrolyte und wichtige Nährstoffe, statt nur eine einzelne Getränkeeigenschaft zu optimieren.

08 / Rechne es für dich aus

Wie viel Flüssigkeit solltest du ersetzen?

Für eine schnelle Rehydrierung nach relevanten Schweißverlusten werden häufig ungefähr 125–150 % des verbliebenen Flüssigkeitsdefizits als Orientierungsbereich genannt, besonders wenn nur wenige Stunden bis zur nächsten Belastung bleiben. Die zusätzliche Menge berücksichtigt spätere Ausscheidung. [6]

Das ist keine Aufforderung, grundsätzlich mehr zu trinken, als du verträgst, und kein starres Ziel für den normalen Trainingstag. Weitere Flüssigkeit aus der Nahrung und dein Gesundheitszustand spielen ebenfalls eine Rolle.

PMP Praxisrechner

Dein Flüssigkeitsdefizit abschätzen

Wiege dich möglichst unter vergleichbaren Bedingungen vor und nach der Einheit. Der Körpermasseunterschied liefert eine grobe Näherung für dein aktuelles Defizit, nicht für deine gesamte Schweißmenge.

Geschätztes verbleibendes Defizit 1,4 Liter Das entspricht ungefähr 2,0 % der Ausgangsmasse.
Orientierungsbereich, falls ein schneller Ausgleich nötig ist 1,75–2,10 Liter Über die Erholungszeit verteilen, nicht auf einmal trinken. Eine Mahlzeit und deren Flüssigkeitsgehalt mitberücksichtigen.
Wichtig: Wenn du während der Einheit bereits getrunken hast, ist die gesamte Schweißmenge höher als der reine Gewichtsverlust. Der Rechner schätzt nur das verbliebene Defizit. Gewichtsänderungen entstehen außerdem nicht ausschließlich durch Wasser. Bei auffälligen Beschwerden keine Selbstbehandlung allein nach Rechner.

Möglichst schnell trinken?

Nein, das ist nicht automatisch besser. Zu große Mengen auf einmal können Magenprobleme verursachen und die Wasserausscheidung begünstigen. Studien zum Trinktempo sind nicht völlig einheitlich; oft ist die Zusammensetzung mindestens ebenso wichtig. Wenn du Zeit hast, trinke über mehrere Stunden verteilt und iss normal dazu.

09 / Alltagsentscheidungen

Indoor-Training, Sauna, Wettkampf oder einfach zu wenig getrunken?

Flüssigkeitsmangel ist nicht gleich Flüssigkeitsmangel: Menge und Zusammensetzung der Verluste unterscheiden sich.

Lange Ausfahrt / Rennen

Wasser- und Natriumverluste plus Energieverbrauch. Flüssigkeit und Natrium ergänzen; Kohlenhydrate nach Belastung und Erholungszeit wählen.

Hartes Indoor-Training

Hohe Schweißverluste sind möglich, besonders bei schlechter Kühlung. Gewichtsveränderung dokumentieren und anschließend gezielt ausgleichen.

Sauna

Vor allem schweißbedingter Wasser- und Elektrolytverlust. Nach dem Abkühlen trinken und bei deutlichen Verlusten auch Natrium mitdenken. Zusätzlicher Zucker ist normalerweise nicht nötig.

Stundenlang nichts getrunken

Wenn du dabei kaum geschwitzt hast, besteht nicht automatisch ein erhöhter Elektrolytverlust. Dann reichen normales Trinken und Essen meist aus.

Wichtig: Bewusstes Austrocknen ist kein Trainingsziel. Mehr Schwitzen bedeutet nicht automatisch eine bessere Trainingseinheit oder Regeneration.
10 / Häufige Fehler

Was bei der Rehydrierung eher nicht hilft

  1. Nur auf die Liter schauen. Nach starkem Schwitzen ist relevant, was außer Wasser verloren gegangen ist – vor allem Natrium.
  2. Alles in einem Zug trinken. Eine sehr große Menge in kurzer Zeit ist nicht automatisch wirksamer und kann unangenehm oder gefährlich sein.
  3. „Isotonisch“ mit „optimal“ verwechseln. Entscheidend sind Zusammensetzung, Einsatzzeitpunkt, Verträglichkeit und deine tatsächlichen Verluste.
  4. Salz immer höher dosieren. Mehr Natrium ist nicht unbegrenzt besser. Ohne Kenntnis der Verluste sind extrem hohe Mengen keine gute Standardstrategie.
  5. Wenig Urin als einzigen Erfolgsmaßstab nutzen. Flüssigkeit kann noch im Magen liegen; Urinfarbe und Durst sind ebenfalls keine perfekten Einzelmarker.
  6. Regeneration auf Trinken reduzieren. Nach einem langen Rennen gehören auch Energie, Protein, Schlaf und Erholung dazu.

Warnzeichen: Zu viel Trinken kann gefährlich sein

Gerade bei sehr langen Wettkämpfen kann Übertrinken zu einer belastungsassoziierten Hyponatriämie beitragen – einem zu niedrigen Natriumspiegel im Blut. Das ist auch mit natriumhaltigen Getränken möglich, wenn die Gesamttrinkmenge zu hoch ist.

Kopfschmerzen, Übelkeit, Benommenheit oder Verwirrtheit nach Belastung und Hitze lassen sich nicht sicher einer Ursache zuordnen. Bei Verwirrtheit, Kollaps, Krampfanfällen oder anhaltendem Erbrechen sofort medizinisch abklären lassen. Nicht auf Verdacht immer mehr Wasser oder Salz zuführen.

Bei Nieren- oder Herzerkrankungen, ärztlicher Salz- oder Flüssigkeitsbegrenzung und bestimmten Medikamenten ist die Strategie ärztlich abzustimmen. [6]

11 / PMP Science & Practice

Welche Strategie würde ich dir empfehlen?

Genug Erholungszeit

Wasser + Essen

Du hast geschwitzt, kannst normal essen und musst nicht gleich wieder trainieren? Dann sind Trinken nach Durst, eine passende Mahlzeit und der Ersatz deutlicher Defizite ein praktikabler Weg.

Großes Defizit / wenig Zeit

Gezielter rehydrieren

Nach einem langen Rennen oder einer heißen Einheit mit sehr kurzer Erholungszeit kann eine angepasste Natriumzufuhr im Getränk sinnvoll sein. Kohlenhydrate ergänzen, wenn Energie ersetzt werden muss.

Ein einfacher selbst gemischter Drink

Als illustrative, nicht individuell optimierte Variante nach größerem Schweißverlust kannst du beispielsweise 1 Liter Wasser mit 1,5 g Kochsalz (etwa 590 mg Natrium) mischen. Optional kommen 20–30 g Zucker dazu, wenn du nach der Belastung auch Kohlenhydrate über das Getränk aufnehmen möchtest. Für den Geschmack kann etwas Zitronensaft helfen.

Keine Universalrezeptur: Die Natriumverluste über den Schweiß variieren stark. Diese Mischung ist keine medizinische orale Rehydrierungslösung für Durchfall oder Erbrechen und keine Pflicht nach jeder Trainingseinheit.
Torstens Einschätzung

Nicht das teuerste Getränk gewinnt. Sondern die passende Strategie.

Ich würde zuerst fragen: Wie viel hast du tatsächlich verloren? Wie viel Natrium könnte dabei verloren gegangen sein? Und wie schnell musst du wieder vollständig erholt sein?

Nach einer normalen Trainingseinheit mit ausreichend Zeit reicht Wasser plus vernünftiges Essen häufig aus. Nach einem langen Rennen, bei dem du einige Kilogramm leichter geworden bist und am nächsten Morgen wieder starten willst, kann eine gezielte Rehydrierungsstrategie dagegen wirklich sinnvoll sein.

Es geht nicht darum, möglichst viel zu trinken oder möglichst wenig zu urinieren. Es geht darum, den normalen Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt wiederherzustellen.

Deine Checkliste nach einer schweißtreibenden Einheit

Fazit

Der beste Weg zur Rehydrierung besteht nicht darin, möglichst viel Wasser in möglichst kurzer Zeit zu trinken. Nach größeren Schweißverlusten macht es Sinn, Flüssigkeit, Natrium, gegebenenfalls Kohlenhydrate und den Zeitrahmen gemeinsam zu betrachten.

Für viele Hobbyradsportler ist die alltagstauglichste Antwort überraschend einfach: ausreichend Wasser und eine normale Mahlzeit. Spezielle Getränke haben dort ihren Platz, wo die Verluste groß und die Regenerationszeit knapp sind. Entscheidend ist nicht die kleinste Urinmenge, sondern ein wieder ausgeglichener Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt.

Und jetzt bist du dran:

Was trinkst du nach einer richtig schweißtreibenden Einheit – Leitungswasser, Mineralwasser, Elektrolyte oder ein Sportgetränk? Und hast du schon erlebt, dass du trotz großer Trinkmenge ständig wieder zur Toilette musstest?

12 / Transparenz

Wissenschaftliche Quellen

Die Einordnung basiert auf Originalstudien, Übersichtsarbeiten und sportmedizinischen Empfehlungen. Viele Einzelversuche hatten kleine Stichproben und überwiegend männliche Teilnehmer. Deshalb sind einzelne Werte nicht als universelle Trinkvorschrift zu verstehen.

  1. Borra V. et al. (2025). Oral Rehydration Beverages for Treating Exercise-Associated Dehydration: A Systematic Review, Part I. Journal of Athletic Training. DOI ↗
  2. De Brier N. et al. (2025). Oral Rehydration Beverages … Part II: Alternatives to Carbohydrate-Electrolyte Drinks. Journal of Athletic Training. DOI ↗
  3. Ly N. Q. et al. (2023). Post-Exercise Rehydration in Athletes: Effects of Sodium and Carbohydrate in Commercial Hydration Beverages. Nutrients. DOI ↗
  4. Rowlands D. S. et al. (2022). The Hydrating Effects of Hypertonic, Isotonic and Hypotonic Sports Drinks and Waters on Central Hydration During Continuous Exercise. Sports Medicine. DOI ↗
  5. Evans G. H. et al. (2017). Optimizing the Restoration and Maintenance of Fluid Balance After Exercise-Induced Dehydration. Journal of Applied Physiology. DOI ↗
  6. McDermott B. P. et al. (2017). National Athletic Trainers’ Association Position Statement: Fluid Replacement for the Physically Active. Journal of Athletic Training. DOI ↗
  7. Maughan R. J. & Leiper J. B. (1995). Sodium Intake and Post-Exercise Rehydration in Man. European Journal of Applied Physiology. DOI ↗
  8. Shirreffs S. M. et al. (1996). Post-Exercise Rehydration in Man: Effects of Volume Consumed and Drink Sodium Content. Medicine & Science in Sports & Exercise. DOI ↗
  9. Maughan R. J. et al. (1996). Restoration of Fluid Balance After Exercise-Induced Dehydration: Effects of Food and Fluid Intake. European Journal of Applied Physiology. DOI ↗
  10. Clayton D. J. et al. (2014). Effect of Drink Carbohydrate Content on Postexercise Gastric Emptying, Rehydration, and the Calculation of Net Fluid Balance. International Journal of Sport Nutrition and Exercise Metabolism. DOI ↗

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