PMP Coaching · Trainingssteuerung · Stand: 2026
MYTHOS ODER WAHRHEIT?„Mit einem FTP-Test kenne ich meine Trainingsbereiche.“
FTP-Tests sind schnell gemacht, überall verfügbar und in fast jeder Trainingssoftware eingebaut. Deshalb wirkt es verlockend: FTP bestimmen, Zonen berechnen, fertig ist die Trainingssteuerung. In der Praxis führt genau das aber bei vielen zu „mittelhartem Dauerstress“ – und zu Trainingsbereichen, die schlicht nicht sauber passen.
1) Was misst ein FTP-Test eigentlich?
FTP (Functional Threshold Power) beschreibt die höchste Leistung, die ein Athlet grob in der Größenordnung von etwa einer Stunde aufrechterhalten kann. In der Praxis wird FTP häufig über Rampentests, 20-Minuten-Tests oder Kurztests mit Hochrechnung geschätzt.
Und genau hier passiert der Denkfehler: FTP ist ein Leistungsmarker – kein direkter Stoffwechselmarker.
2) Warum FTP-basierte Trainingsbereiche problematisch sind
Problem 1: Gleiche FTP ≠ gleiche Physiologie
Zwei Athleten können die gleiche FTP haben – und trotzdem metabolisch komplett unterschiedlich funktionieren: aerobe Schwelle, Substratnutzung, Laktatdynamik, anaerobe Ausprägung (z. B. VLamax) und VO₂max können massiv variieren. Prozentuale Zonen treffen dann den einen Athleten „ungefähr“, den anderen aber deutlich daneben.
Problem 2: FTP sagt fast nichts über Grundlage und „locker“ aus
FTP beantwortet vor allem: Wie viel Leistung hältst du nahe deiner maximalen Dauerleistung aus? FTP beantwortet nicht sauber:
- wo deine aerobe Schwelle wirklich liegt
- wie ökonomisch dein Fettstoffwechsel arbeitet
- ab welcher Leistung Laktat spürbar ansteigt
- ob dein GA1 tatsächlich locker und regenerativ ist
Genau diese Punkte entscheiden aber darüber, ob dein Grundlagentraining wirklich Grundlagentraining ist – oder ob du dauerhaft in einer „grauen Zone“ landest.
Problem 3: 20-Minuten-Tests können Trainingsbereiche verzerren
Ein CP20/20-Minuten-Test ist nicht „falsch“. Aber er ist anfällig für Verzerrungen: Athleten mit hoher anaerober Kapazität oder gutem Pacing können überperformen – die hochgerechnete FTP wirkt dann höher, als es aerob sinnvoll wäre. Das Ergebnis sieht man häufig sofort im Training:
- GA1 wird zu hart angesetzt
- die Einheit fühlt sich zäh an, obwohl sie locker sein sollte
- Regeneration leidet, weil „locker“ nicht wirklich locker ist
3) Was eine Leistungsdiagnostik zusätzlich liefert
Eine Leistungsdiagnostik (z. B. INSCYD-basiert) geht unter die Oberfläche der Wattzahl. Sie ordnet Leistung in ein metabolisches Profil ein und liefert Parameter, die für Trainingsbereiche wirklich relevant sind.
- aerobe Orientierungspunkte (wo „locker“ wirklich beginnt/endet)
- Substratnutzung: Fett- vs. Kohlenhydratanteile (inkl. FatMax)
- VO₂max (aerobe Obergrenze) und VLamax (anaerobe Prägung)
- individuelle Intensitätsbereiche, die zu deinem Stoffwechsel passen
Der Unterschied ist simpel: FTP-Zonen sind Prozentrechnung. Diagnostik-Zonen sind stoffwechselbezogene Individualisierung.
4) Praxisbeispiel (vereinfacht): gleiche FTP – komplett andere Trainingsbereiche
Zwei Fahrer, beide FTP: 300 Watt (z. B. aus einem CP20-Test abgeleitet). Auf dem Papier würden beide nach FTP-Prozenten ähnlich trainieren. Metabolisch kann das aber komplett falsch sein.
Fahrer A (mehr „Diesel“)
- mittlere VO₂max
- niedrige VLamax
- GA-Bereiche liegen oft höher, „locker“ bleibt wirklich locker
Fahrer B (mehr „Turbo“, aber teurer im Grundtempo)
- hohe VO₂max
- hohe VLamax
- GA-Bereiche können deutlich niedriger liegen, weil der Kohlenhydrat-/Laktatanteil früher anzieht
Beide haben die gleiche FTP – aber ihr Training muss unterschiedlich aussehen, wenn das Ziel ist, sauber zu steuern, richtig zu regenerieren und die passende Anpassung auszulösen.
5) Warum FTP trotzdem nicht „schlecht“ ist
FTP ist nicht nutzlos. Im Gegenteil: FTP ist ein sehr guter Referenzwert – für Entwicklung, Vergleichbarkeit und Trainingsbelastung (z. B. TSS/IF-Modelle).
6) Remote-Leistungsdiagnostik bei PMP Coaching
Leistungsdiagnostik muss heute nicht zwingend im Labor stattfinden. Bei PMP Coaching bieten wir Remote-Leistungsdiagnostik an – auf Basis standardisierter Testprotokolle, Powermeter-Daten und einer individuellen Auswertung.
- präzisere Trainingsbereiche statt Prozent-Schätzung
- weniger typische Intensitätsfehler („GA1 zu hart“)
- klarere Trainingsausrichtung passend zum Zielwettkampf
- planbarer Fortschritt, weil die Basis sauber ist
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Hinweis: FTP kann weiterhin genutzt werden – nur eben dort, wo es sinnvoll ist. Die Trainingsbereiche selbst sollten sich am Stoffwechsel orientieren.
Fazit
Mit einem FTP-Test kennst du deine Trainingsbereiche nicht zuverlässig. FTP zeigt, was du leisten kannst. Eine Leistungsdiagnostik zeigt, wie dein Körper diese Leistung erbringt – und genau daraus entstehen Trainingsbereiche, die wirklich passen.
Q&A – Häufige Fragen aus der Praxis
Reicht ein FTP-Test für strukturiertes Training?
Für grobe Orientierung: ja. Für präzise Steuerung (vor allem im Grundlagenbereich und für Regeneration): oft nein.
Warum fühlen sich meine GA-Einheiten so oft zu hart an?
Häufig liegt die aerobe Orientierung niedriger, als FTP-Prozentzonen vermuten lassen. Ergebnis: „locker“ ist eigentlich schon „mittelhart“.
Ist Diagnostik nur für Profis sinnvoll?
Gerade Hobbyfahrer und ambitionierte Amateure profitieren stark – weil typische Fehler sofort sichtbar werden und Training dadurch alltagstauglicher und nachhaltiger wird.
Geht Diagnostik auch ohne Labor?
Ja, wenn Testprotokoll und Auswertung sauber sind. Genau darauf ist die Remote-Diagnostik ausgelegt.
Nutzen Profis überhaupt FTP-Zonen?
FTP als Referenzwert: ja. Die echte Trainingssteuerung basiert im Regelfall auf individuellen physiologischen Parametern und einer klaren Periodisierung.


